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Jahresprogramm 2007

 

  


Studienaustellung:

Venite, adoremus
Geertgen tot Sint Jans und die Anbetung der Könige

22. September 2007 bis 27. Januar 2008

 

Die Studienausstellung der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» untersuchte die Beziehung zwischen einem ihrer bemerkenswertesten Gemälde, einer um 1495 entstandenen Tafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige, und Geertgen tot Sint Jans (um 1465–um 1490/1495), dem ersten grossen Maler der nördlichen Niederlande. Dabei zielte sie besonders auf den Vergleich des Winterthurer Bildes mit Geertgens Fassungen des Themas aus anderen Museen. Diese Gegenüberstellung vermochte nicht allein ein neues Licht auf das Verhältnis der einzelnen Anbetungen untereinander, sondern auch auf das gesamte Schaffen des Künstlers und seiner Nachfolge zu werfen.

Zur Bereicherung der Ausstellung wurde eine Dokumentation der Restaurierung der Winterthurer Tafel gezeigt, die Bruno Heimberg im Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München vorgenommen hatte. Erst die Freilegung der unter mehreren Übermalungen verborgenen ursprünglichen Malerei erlaubte es, den Zusammenhang des Gemäldes mit dem Werk von Geertgen tot Sint Jans zu klären. Zwei namhafte Kenner der altniederländischen Kunst, Dr. Stephan Kemperdick und Dr. Jochen Sander, hatten sich dieser Aufgabe angenommen. Die Römerholz-Tafel war in kontroversen Diskussionen Geertgen sowohl zu- als auch abgeschrieben worden. Ein solcher Disput ist bei mittelalterlichen Werken fast die Regel, da deren Schöpfer selten anhand einer Signatur oder durch Dokumente aus ihrer Zeit sicher identifiziert werden können. Die Ausstellung setzte sich mit dieser faszinierenden Problematik auseinander. Die dabei aufgedeckten historischen und künstlerischen Verknüpfungen führten dazu, die Winterthurer Anbetung einer eigenständigen Künstlerpersönlichkeit in der Nachfolge Geertgens zuzuweisen. Dadurch traten das Werk des Meisters selbst wie auch das Schaffen der folgenden Malergenerationen deutlicher hervor.

Mit Geertgen tot Sint Jans und die Anbetung der Könige setzte das Römerholz die 2005 mit Manet trifft Manet initiierte Ausstellungstätigkeit fort. Diese präsentiert dem Publikum neue Forschungsergebnisse über jeweils ein Werk der eigenen Sammlung und eröffnet damit einerseits den Fachleuten neue Perspektiven und Interpretationsansätze und andererseits den Liebhabern die Möglichkeit einer faszinierenden Teilhabe an der kunsthistorischen Suche nach Klarheit und Authentizität.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog in deutscher und englischer Sprache beim Hirmer Verlag München.

 

Eine detailliertere Pressemitteilung finden Sie unter www.roemerholz.ch/geertgen


Geertgen tot Sint Jans (um 1465–um 1490/95), Triptychon, um 1490, Eichenholz
Mittlere Tafel: Die Anbetung der Heiligen Drei Könige; linker Flügel: Der heilige Bavo mit Stifter; rechter Flügel: Der heilige Hadrian mit Stifterin
Nationalgalerie Prag, Leihgabe der Kunstsammlungen der Prager Burg

Geertgen tot Sint Jans, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige,
um 1490, Eichenholz
The Cleveland Museum of Art

Geertgen tot Sint Jans, Madonna mit Kind, um 1490, Eichenholz
Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mailand, Pinacoteca

Geertgen tot Sint Jans, Nachfolge, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1495, Zustand nach der Restaurierung von 2006/07, Eichenholz
Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur

  


Literaturabende:

Lautmalerei und Wortbilder

2004/05 fand die erste Folge von Veranstaltungen der Reihe Lautmalerei und Wortbilder statt, die 2007 wiederaufgenommen wurde. Jeweils am ersten Mittwoch des Monats lud das Museum renommierte Autorinnen und Autoren aus der Schweiz oder den benachbarten Ländern ein, einen zuvor vom Museum in Auftrag gegebenen literarischen Text über ein Römerholz-Werk eigener Wahl vor Publikum vorzutragen. Die Lesungen fanden im grossen Saal der Gemäldegalerie vor dem Original des besprochenen Kunstwerkes statt. Im Anschluss ermöglichte es ein vom Literaturkritiker und Journalisten Hardy Ruoss moderiertes Publikumsgespräch sowie ein abgestimmter Aperitif im Café, mit den Autoren in einen Dialog zu treten und deren Motivationen und Arbeitsweisen näher kennenzulernen.

 

Die Literaturabende des Jahres 2007 im Überblick:

• 7. Februar: Felix Ingold über Claude Monet, Die Seine bei Eisgang, 1880/81
• 7. März: Michel Mettler über Vincent van Gogh, Der Krankensaal des Hospitals von Arles, 1889
• 4. April: Matthias Zschokke über Gustave Courbet, Die Hängematte, 1844
• 6. Juni: Erica Pedretti über Lucas Cranach den Älteren, Ehedyptichon des Dr. Johannes Cuspinian und der Anna Cuspinian-Putsch, 1502
• 4. Juli: Sabine Naef über Lucas Cranach den Älteren, Ehedyptichon des Dr. Johannes Cuspinian und der Anna Cuspinian-Putsch, 1502
• 5. September: Zsuzsanna Gahse über Jean-Siméon Chardin, Stilleben mit einem Korb Pfirsiche, weissen Trauben, Birne und Nüssen, 1758
• 3. Oktober: Said über Jan Provost, Die Auferstehung Christi, um 1465/1529
• 7. November: Ingo Schulze über Eugène Delacroix, Tasso im Irrenhaus, 1839
• 5. Dezember: Gerhard Roth über Vincent van Gogh, Der Innenhof des Hospitals in Arles, 1889
• 10. Dezember: «Dilettantismus oder Vision. Sollen Schriftsteller über Kunst schreiben?» Podiumsdiskussion mit Gästen, moderiert von Gabriela Christen, im Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62

Eine Buchveröffentlichung der vorgetragenen Texte und damit ein zweiter Band zu der bereits publizierten Folge von 2004/05 ist geplant, ebenso eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe im Jahre 2010 nach dem Umbau des Museums.

 


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