Provenienzforschung an der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz»
Provenienzforschung bedeutet, die Herkunft und die Besitzgeschichte von Kunstwerken zu klären. Sie fragt danach, wo ein Werk herkommt, wem es früher gehörte und unter welchen Umständen es in eine Sammlung gelangt ist.
Für Museen ist dies eine zentrale Aufgabe. Provenienzforschung trägt dazu bei, historische Zusammenhänge sichtbar zu machen und Sammlungen transparent zu dokumentieren.
Ein besonderes Augenmerk gilt Kulturgütern, die in problematischen historischen Kontexten erworben wurden. Dazu gehören insbesondere Werke im Zusammenhang mit NS-Raubkunst sowie Objekte aus anderen historisch belasteten Erwerbssituationen. Ziel ist es, solche Bestände zu identifizieren, einzuordnen und den Umgang damit transparent zu gestalten.
Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» nimmt diese Aufgabe als Institution des Bundes in enger Abstimmung mit den anderen Bundesmuseen wahr. Die Provenienzforschung erfolgt im Rahmen der gemeinsamen Strategie des Bundesamts für Kultur.
Bisherige Arbeiten
Die Provenienzforschung zu den Sammlungen des Bundes wurde erstmals 1998 in einem Grundlagenbericht systematisch aufgearbeitet.
Für die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» wurden die Provenienzrecherchen im Jahr 2018 vertieft und aktualisiert. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind publiziert und bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Forschung.
Die Provenienzforschung ist heute fester Bestandteil der institutionellen Arbeit und in den konzeptionellen Grundlagen der Sammlung verankert.
Laufende Arbeiten
Provenienzforschung ist ein fortlaufender Prozess. Neue Archive und Quellen werden erschlossen, bestehende Informationen neu bewertet und Fragestellungen weiterentwickelt. Auch die Ergebnisse anderer Forschungsprojekte fliessen in die eigene Arbeit ein.
Vor diesem Hintergrund werden die bisherigen Erkenntnisse zur Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» derzeit überprüft und aktualisiert. Ziel ist es, die Herkunftsgeschichten der Werke möglichst vollständig und nachvollziehbar zu dokumentieren.
Ein aktualisierter Statusbericht wird derzeit erarbeitet.
Archive und Forschungsmöglichkeiten
Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» verfügt über umfangreiche Archiv- und Dokumentationsbestände, die eine wichtige Grundlage für die Provenienzforschung bilden.
Dazu gehören die historische Präsenzbibliothek sowie der schriftliche und photographische Nachlass von Oskar Reinhart. Dieser umfasst unter anderem Briefe, Tagebücher, Notizhefte und weitere persönliche Dokumente als auch Fotografien, Negative und Glasplatten.
Diese Bestände ermöglichen vertiefte Einblicke in die Sammlertätigkeit Oskar Reinharts sowie in den Kunsthandel und das Sammlungswesen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Nachlassarchiv gilt als bedeutende Referenz für die internationale Provenienzforschung.
Die Sammlung stellt ihre Archiv- und Dokumentationsbestände im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auch externen Forschenden zur Verfügung und unterstützt wissenschaftliche Recherchen nach Möglichkeit. Für weiterführende Informationen steht das Museum gerne zur Verfügung.
Dokumente:
Kulturgüter im Eigentum der Eidgenossenschaft: Untersuchung zum Zeitraum 1933 bis 1945. Bericht der Arbeitsgruppe des Bundesamtes für Kultur, August 1998
Teil 1: Aktualisierung des Berichts des Bundesamtes für Kultur «Kulturgüter im Eigentum der Eidgenossenschaft: Untersuchung zum Zeitraum 1933 bis 1945», November 2018

